MENU

Thementag Erdwärme - Heizen und Kühlen

DI Rupert Ebenbichler
Dr. Dietmar Thomaseth
Dr. Andreas Hertl
Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Streicher
Jürgen Sevignani
Dipl. Ing (FH) Thomas Thalhammer
Dr. Florian Eichinger

„Erdwärme - Heizen und Kühlen“ – so lautete der Titel des am 28.09.2017 in der Akademie der Wasser Tirol am Standort Ötztal Bahnhof durchgeführten Thementags. Einen ganzen Tag lang diskutierten Experten von Bohrunternehmen, Planungsbüros, des Landes Tirol sowie aus der Forschung und der Wasser Tirol über die Bedeutung der Erdwärme in Tirol und die Herausforderungen in der Planungs-, Genehmigungs-, Ausführungs- und Betriebsphase und berichteten von ihren Projekten und Erfahrungen im In- und Ausland.

DI Rupert Ebenbichler und Dr. Dietmar Thomaseth, Geschäftsführer der Wasser Tirol, begrüßten die Teilnehmenden. DI Ebenbichler wies einführend auf die Rolle der Erdwärme zur Nutzung eigener Ressourcen zur nachhaltigen Energieversorgung hin. Eine kürzlich durchgeführte Evaluierung bestehender und in Bau befindlicher Erdwärmesonden in Tirol zeigte jedoch die Notwendigkeit, zukünftig besser auf Qualität zu achten. Daher habe die Wasser Tirol in Zusammenarbeit mit zahlreichen Fachfirmen und dem Land Tirol einen Leitfaden für den Bau und Betrieb von Erdwärmesonden in Tirol erstellt.

Dr. Thomaseth ortet in der Bevölkerung bezüglich der Erdwärme noch ein großes Unbehagen. Dieses kann seines Erachtens nur durch Information und die Errichtung qualitativ hochwertiger Anlagen abgebaut werden.

Dr. Andreas Hertl, Wasser Tirol, erläuterte einführend die Energiestrategie des Landes Tirol, in der der Umweltwärme bis zum Jahr 2050 eine zunehmend bedeutendere Rolle zukommen wird. Bis 2050 soll der Energiebedarf gegenüber 2005 um 50% gesenkt werden und gleichzeitig der Anteil Erneuerbarer Energie um 30% gegenüber heute gesteigert werden. Umweltwärme soll bis 2050 rund 7% des Endenergiebedarfs beisteuern – derzeit beträgt der Anteil nicht einmal 1%. Rund 100 bis 200 Erdwärmesondenanlagen werden derzeit jährlich neu errichtet – sie weisen damit einen Anteil von rund 35% an den neu errichteten Umweltwärmeanlagen auf. Um die gesetzten Ziele zu erreichen, wären jedoch bis 2050 jährlich rund 750 neue Erdwärmesondenanlagen notwendig.

Prof. Wolfgang Streicher, Universität Innsbruck, Arbeitsbereich Energieeffizientes Bauen, gab einen Überblick über die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen für das Heizen und Kühlen im Gebäudesektor. Es sei stets das gesamte System zu betrachten. Wärmerzeugungssysteme wie Gas-/Öl-Brennwertgeräte, Wärmepumpen oder auch solarthermische Anlagen seien je nach Verhältnissen und Temperaturerfordernissen optimal einsetzbar.

Jürgen Sevignani, Baubezirksamt Kufstein, berichtete aus Sichtweise eines Amtssachverständigen. In Österreich werden Erdwärmepumpen länderspezifisch betrachtet, weshalb es in fast jedem Bundesland einen eigenen diesbezüglichen Leitfaden gibt. Sevignani war an der Erarbeitung des Tiroler Leitfadens beteiligt. Dieser sei als erster Schritt zur Qualitätsverbesserung zu betrachten. Es sei nun jedoch an der Zeit, Rückmeldungen einzuholen und einzuarbeiten.

Dipl.-Ing. Thalhammer, Handwerkskammer für München und Oberbayern für das Gas-, Wasserinstallateur-, Zentralheizungs- sowie Lüftungsbauerhandwerk und Kältetechnik, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger, berichtete über die Gefahren und Risiken bei Wärmepumpenanlagen mit einer Erdwärmequelle mit Beispielen aus seiner langjährigen Praxis. Wärmepumpenanalgen mit einer Erdreichwärmequelle seien das beste und effektivste Heizsystem in unseren Breitengraden, sofern bei der Erstellung und im Betrieb keine Fehler gemacht würden.

Dr. Florian Eichinger, Fa. Hydroisotop, und Stefan Lutz, Wasser Tirol, referierten über das Thema „Gefahren bei der Erdwärmenutzung für die Umwelt“. Lutz ging auf mögliche Gefahren während der Planungs- und Erstellungsphase ein – vor allem auf mögliche Verunreinigungen der Schutzgüter Boden und Wasser während des Bohrvorgangs sowie auf Verzerrungen von bereits verunreinigten Bodenschichten. Eichinger ergänzte, dass die Anbohrung gespannter Grundwasserleiter zu unkontrollierten Austritten von Grundwasser führen kann. In der Betriebsphase kann die ungewollte Abkühlung oder Erwärmung des Bodens und Grundwassers sowie die Verwendung nicht geeigneter Kältemittel Probleme bereiten. Generell sei die Nutzung von Erdwärme nicht überall möglich, aber bei einer ordentlichen Planung und Ausführung durchaus umweltfreundlich.

Thomas Gautschi, MBA, Geschäftsführer der anex Ingenieure AG Zürich, stellte Projekte seines Hauses aus der Schweiz vor. Die Schweiz verfolge ähnliche Energieziele wie Tirol mit dem Ziel, CO2-Emissionen einzuschränken. Die anex Ingenieure AG habe hierzu ein Anergienetz geplant, welches bereits in Teilbereichen realisiert wurde und das in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden soll. Als Schwerpunkt zukünftiger Projekte nannte Gautschi die dynamische Vernetzung. Die Bereitstellung von Fernwärme solle z.B. nicht mehr direktional, sondern bidirektional erfolgen.

Prof. Simone Walker-Hertkorn, Fa. tewag, stellte den grundsätzlichen Ablauf geothermischer Projekte sowie die Aufgaben eines Geologen vor und unterstrich dies mit einem Praxisbeispiel aus Frankfurt  / Deutschland. Bereits bei der Planung solle die Geothermie als eigenes Gewerk wahrgenommen werden. Prof. Walker-Hertkorn erläuterte, dass Wärmepumpen meist für die Abdeckung der Grundlast verwendet würden. Sie arbeitete heraus, dass für die Ermittlung der geothermischen Ergiebigkeit und zur Auslegung der Wärmepumpe eine thermische Simulation des Erdwärmesondenfeldes notwendig sei.

Daniel Jakob, M.Sc., Wasser Tirol, erläuterte, dass das Ziel sein müsse, den eigenen Energiebedarf weitestgehend durch eigene Ressourcen zu decken. Vor diesem Hintergrund stellte er einige Projekte der Wasser Tirol vor, bei denen es gelungen ist, den Eigenenergiedeckungsgrad deutlich zu erhöhen und somit die Abhängigkeit von fossiler, importierter Energie zu reduzieren.

Jakob leitete anschließend auf das derzeit größte kommunale Erdwärmesondenfeld Tirols am Quellalpin / Kaunertal über. Gerhard Larcher, Geschäftsführer des Quellalpin, berichtete von der Projektentwicklungs- und Umsetzungsphase. Seit Abschluss der Bauarbeiten wird die Erdwärmesondenanlage mit Strom aus dem gemeindeeigenen Trinkwasserkraftwerk betrieben und hilft, die Grundlast des Quellalpins abzudecken. Larcher zeigt sich vom Ergebnis des umgesetzten Energieversorgungskonzepts der Wasser Tirol stolz – er rechnet damit, dass zukünftig rund 80.000 Liter Heizöl pro Jahr eingespart werden.

Abschließend präsentierte Jakob Ergebnisse der im Auftrag des Landes Tirol durchgeführten Evaluierung von Erdwärmsonden in Tirol und stellte den Tiroler Leitfaden zum Bau und Betrieb von Erdwärmesonden vor.

Präsentationen:

- Die Rolle der Erdwärme in der Tiroler Energiestrategie - Dr. Andreas Hertl
- Erneuerbare Energien und Energieeffizientes Bauen - Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Streicher
- Gefahren-Risiken-Chancen in der Planungs-, Ausführungs- und Betriebsphase - Jürgen Sevignani
- Bedeutung der Erwärme für Tirol - Dipl.-Ing. (FH) Thomas Thalhammer
- Erdwärme - Risiko für die Umwelt? - Dr. Florian Eichinger, Stefan Lutz
- Ressourcenschonende Energieversorgung, Schweiz - Thomas Gautschi
- Geothermische Planungsabläufe bei Projekten mit Großwärmepumpem - Prof. Dr. Simone Walker-Hertkorn
- Ressourcenschondende Energieversorgung in Tirol - Gerhard Lacher, Daniel Jakob

Stefan Lutz
Thomas Gautschi
Prof. Dr. Simone Walker-Hertkorn
Daniel Jakob, M.Sc.

Akademie Übersicht