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Workshop Zillertaler Kleinwasserkraft

Revitalisierung von Kleinwasserkraftanlagen zwischen Ökologie und Wirtschaftlichkeit

Bgm. Hansjörg Jäger, Obmann des Planungsverbandes Zillertal, sowie Thekla Hauser, Managerin der Klima- und Energiemodellregion Zillertal, begrüßten rund 40 interessierte Zillertaler Kleinwasserkraftwerksbetreiber, das Team der Wasser Tirol rund um GF Dr. Ernst Fleischhacker sowie Dr. Michael Möderl, Leiter des Fachbereichs Wasserwirtschaft / Siedlungswasserwirtschaft des Baubezirksamtes Innsbruck und Mag. Julia Liener, Abteilung Anlagenreferat Umwelt der BH Schwaz. In ihren Eingangsworten gingen sie auf die besondere Bedeutung der Kleinwasserkraft für das Tal sowie die Bedeutung der Revitalisierung bestehender Anlagen im Zusammenhang mit der Verfolgung energiepolitischer Ziele des Zillertals im Rahmen der Klima- und Energiemodellregion ein.

Dr. Ernst Fleischhacker erläuterte in seinem Impulsvortrag „Die Bedeutung und Rolle der Kleinwasserkraft in der Ressourcen-, Energie- und Klimastrategie des Landes Tirol“ die große kulturelle und historische Wichtigkeit Tiroler Kleinwasserkraftanlagen. „Darüber hinaus spielt der Strom aus Kleinwasserkraft eine wesentliche Rolle beim Umbau des Tiroler Energiesystems. Mit Strom kann man nämlich alles machen, egal ob Wärme aus Wärmepumpen, Mobilität aus Elektrofahrzeugen oder vieles mehr“, so Fleischhacker. Die Kleinwasserkraft steht aber nicht nur für die Stromerzeugung an sich, sondern ist auch Ausdruck der von Fleischhacker im Rahmen der Fünf-Sterne-Region Zillertal entwickelten Nachhaltigkeitsdefinition, in der der ständige soziale, ökologische und ökonomische Ausgleich angestrebt wird.

Dr. Andreas Hertl stellte im Anschluss Inhalte und Ziele des jährlich erscheinenden Tiroler Energiemonitoringberichts vor. Der Wasserkraft und auch der Kleinwasserkraft kommt darin eine verstärkte Rolle bei der Energiebedarfsdeckung Tirols zu – generell spielt der Strom aus Erneuerbaren die zentrale Rolle beim Umbau der Energielandschaft. Nach derzeitigem Stand werden im Zillertal neben sechs Großkraftwerken rund 80 Kleinwasserkraftwerke betrieben, welche Strom für rund 27.000 Haushalte erzeugen.

DI Rupert Ebenbichler stellte das Kleinwasserkraftwerks-Revitalisierungsprogramm des Landes vor, welches von der Wasser Tirol abgewickelt wird und lieferte einen Überblick über die bisher erzielten Ergebnisse. Trotz teils bedeutender Potenziale zur Erzeugungssteigerung sind bisher nur sehr geringe Ansätze für Revitalisierungen bei den teilnehmenden Anlagen zu erkennen. Grund hierfür sind immer mehr gesetzliche Regelungen und Leitfäden, die zu beachten sind und finanziell in den meisten Fällen sehr starke Belastungen und Risiken für die Betreiber bedeuten. Zur Verdeutlichung wurden einige Präzedenzfälle vorgestellt, die die Unsicherheiten der Betreiber und die daraus resultierende Zurückhaltung bei der Umsetzung von Maßnahmen verständlich machten.

Wasserrechtsexperte Dr. Eduard Wallnöfer ging genauer auf die derzeitige Rechtslage bei der Wiederverleihung von Wasserrechten sowie dem elementaren Unterschied zwischen persönlichem und verdinglichtem Wasser(benutzungs)recht ein. Gerade letzterer Punkt berührte zahlreiche Workshop-Teilnehmer, weist doch eine Vielzahl von Anlagen derzeit noch ein heute eher unübliches persönliches Wasserrecht auf, welches bei Weitergabe oder Vererbung des Rechts Probleme mit sich bringen kann.

DI (FH) Andreas Waldner schloss thematisch an den vorhergehenden Vortrag an und referierte über erforderliche Erhebungen und Unterlagen zur Wiederverleihung eines Wasserrechts aus den Bereichen Hydrologie und Wasserwirtschaft, Gewässerökologie, Naturkunde sowie Bau- und Anlagentechnik.

Die Vortragsreihe wurde durch Christoph Seehauser, BSc mit einer Darstellung über Förderungsmöglichkeiten und –modelle abgeschlossen. Neben der Beratungsförderung zur Revitalisierung von Kleinwasserkraftwerken, wurden die bestehenden Einspeisetarifförderungen und Investitionsförderungen sowie die Förderung von Inselanlagen vertiefend vorgestellt.

Den Abschluss der gelungenen Veranstaltung bildete eine angeregte Diskussion, welche von den interessierten Zillertaler Kleinwasserkraftwerksbetreibern ausführlich genutzt wurde, um Fragen und auch Kritik an den bestehenden Vorschriften und Regularien vorzubringen.

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