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Wie heizt Tirol 2050? - Pilotgebiet Planungsverband Wörgl und Umgebung

Pressekonferenz mit LHStv. Josef Geisler

Acht Gemeinden arbeiten gemeinsam mit der Wasser Tirol an der regionalen Umsetzung der Energieautonomie 2050

 

Am 24.04.2019 präsentierten LHStv. Josef Geisler, Bürgermeisterin Hedi Wechner, der Angather Bürgermeister Josef Haaser sowie GF DI Rupert Ebenbichler von der Wasser Tirol in der Energiezentrale der Stadtwärme Wörgl bei der Tirol Milch das Pilotprojekt und erste Ergebnisse.

Anlass des Pressetermins bildete der Abschluss des ersten Teiles des Projektes „Wie heizt Tirol 2050? - Planungsverband Wörgl und Umgebung“, welches vom Geschäftsführer der Stadtwerke Wörgl, Reinhard Jennewein, und Landesenergiebeauftragten Stephan Oblasser angestoßen wurde.
Im Rahmen dieses Projektes wurde zunächst eine gemeindespezifische Energiesystemanalyse durchgeführt, welche als Basis für eine weiterführende Schwerpunktuntersuchung des Wärmesektors dient, die dann sowohl auf PV- als auch Gemeindeebene die energiestrategischen Herausforderungen darlegen, aber auch bereits anhand konkreter Umsetzungsbeispiele die Möglichkeiten der Akteure aufzeigen soll.

Damit schließt dieses Projekt an die kürzlich vorgestellte Studie Ressourcen- und Technologieeinsatz-Szenarien Tirol 2050, in welcher u. a. Bedeutung und Einsparpotenziale des Gebäudesektors herausgearbeitet wurden, und stellt damit einen Baustein zur Energiestrategie Tirol 2050 energieautonom dar. Denn wie die Wärmebedarfsdeckung im Jahr 2050 aussehen muss, damit sie in Übereinstimmung mit „Tirol energieautonom“ ist, konnte niemand im Detail für ganz Tirol sagen, wie LH-Stv. Josef Geisler anführt.

Der Planungsverband Wörgl und Umgebung nimmt in der Umsetzung der Tiroler Energiestrategie auf Gemeindeebene eine Vorreiterrolle ein, beschäftigen sich doch hier schon eine Vielzahl von Gemeinden seit Jahren im Rahmen des e5-Programms mit Energiefragen. Daher „erwarten wir und von den Ergebnissen der Planungsverbands-Gemeinden wichtige Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung der Wärmebedarfsdeckung für das ganze Land“.

Bürgermeisterin Hedi Wechner zeigt sich als Obfrau des Planungsverbandes 29 auch erfreut darüber, dass die bisherigen Bemühungen der Gemeinden des Planungsverbands seitens des Landes verfolgt und anerkannt werden. Der PV 29 mit seiner wirtschaftlichen wie auch siedlungstechnischen heterogenen Struktur ist zur Betrachtung als Pilotgebiet prädestiniert, wie sie feststellt und weist darauf hin, dass ein regionsweiser, vollumfassender Überblick – insbesondere in Hinblick auf die Gebäudewärme – über den gesamten PV hatte bisher noch gefehlt hatte. Die Ergebnisse der nun vorliegenden und bereits im PV und bei den Gemeinden vorgestellten Energiesystemanalyse lassen erste klare Schlüsse zu, es wurden zudem bereits auch mögliche Arbeitsschwerpunkte der Gemeinden erörtert und begonnen, standortspezifische Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen und ein Bewusstsein für die Stellschrauben bei der zukünftigen Energieplanung zu schaffen.

Angath ist nicht nur flächen- sowie einwohnermäßig die zweitkleinste Gemeinde des Planungsverbands, sondern auch jene, die noch am meisten mit fossilen Energieträgern heizt. „Der Anteil der fossilen Energieträger ist bei uns bei der Wärmebedarfsdeckung mit 82 % am höchsten“, verweist Bürgermeister Josef Haaser auf die Ergebnisse der Energiesystemanalyse. „Diese 82 % setzen sich zusammen aus 2/3 Heizöl und 1/3 Gas“, geht er dann weiter ins Detail. Gas spielte zwar bei der Verdrängung von Heizöl und Kohle - und damit für die Verbesserung der Luftqualität – eine wichtige Rolle, dennoch handelt es sich auch dabei um einen fossilen Energieträger, der bis 2050 ersetzt werden soll. „Aber schaffen wir das auch mit unseren eigenen Ressourcen?“, stellt sich eine wichtige Frage, die im Zuge des Projektes beantwortet werden soll. Für eine kleine und wenig finanzstarke Gemeinde wie Angath sind die Mitgliedschaft im Planungsverband und auch die Förderung durch das Land Tirol besonders wichtig, um in diesem Bereich weitere Schritte zu setzen. „Im Bereich Umweltwärme verfügt Angath um ein hohes Potenzial, insbesondere durch Erdwärme- und Grundwasser-Wärmepumpen“, wie Haaser auf zentrale Ergebnisse der Studie verweist, auf Basis der momentan an einem konkreten Projektvorschlag gearbeitet wird.

Abschließend stellt DI Rupert Ebenbichler, Geschäftsführer der Wasser Tirol, den Projektablauf sowie dessen Ziele und Ergebnisse kurz vor. Dabei steht zunächst ein allgemeingültiger Problemlösungsansatz im Vordergrund, nach welchem Energiebedarf, Ressourcendargebot sowie Energiebedarfsdeckung gesamthaft untersucht werden. Demnach beträgt der Strombedarf im PV 29 ca. 614 GWh pro Jahr, wovon etwa 65 GWh auf die Haushalte entfallen. Der Wärmebedarf im Gebäudebereich beträgt 442 GWh/a, der Mobilitätsbedarf nach Tiroler Verkehrsmodell 352 GWh/a. Der Strombedarf ist aufgrund der starken Industrie überdurchschnittlich hoch.

Potenzial für die künftige Wärmversorgung auf Basis regional verfügbarer, erneuerbarer Ressourcen sieht Ebenbichler vor allem in der Umweltwärme: „Erd- und Luftwärme für Wärmepumpen steht de facto unbegrenzt und überall zur Verfügung, zudem gibt es im Inntal einen großen Grundwasserkörper, der bereits teilweise genutzt wird.“ Ein Spezifikum der Region stellt die industrielle Abwärme dar, die in Wörgl und Kundl bereits zum Teil genutzt wird, aber dennoch enorme Potenziale bietet.

In Hinblick auf die Bedarfsdeckung zeigt sich, dass beim Stromsektor 100 % erneuerbare Energieträger eingesetzt werden, im Bereich Mobilität hingegen nahezu 100 % fossile Energieträger. Bei der Gebäudewärme zeigt sich nach einer Aktualisierung der Gebäude-Basisdaten ein gemischtes Bild: „Etwa jedes zweite Gebäude im PV wird mit fossilen Energieträgern beheizt, knapp über 40 % mit erneuerbaren, woran Fernwärme und Holz die größten Anteile haben“, berichtet Ebenbichler. Von knapp 8 % fehlen noch die Angaben.

„Der PV 29 hat zahlreiche Ressourcen, die im Sinne einer nachhaltigen Wärmestrategie noch besser genutzt werden können. Am 19. Juni 2019 werden wir die Umsetzungsmöglichkeiten gemeinsam mit den Gemeinden bei einem Wärme-Symposium diskutieren“, fasst Ebenbichler zusammen.

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