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Wärmesysteme werden unter die Lupe genommen

Landeshauptmannstellvertreter Geisler lobt die Arbeit von Planungsverbänden und erläutert die Bedeutung von Gemeinden um die Energieziele 2050 zu erreichen
Planungsverband 29 Vorsitzende Hedi/ Hedwig Wechner fasst das Projekt „Wie Heizt Tirol 2050“ zusammen und stellt die Ziele heraus
DI Ebenbichler Geschäftsführer der Wasser Tirol – Dienstleistungs-GmbH leitet durch die Veranstaltung
Der Energiebeauftragte des Landes Tirol DI Oblasser und DI Ebenbichler im Gespräch mit dem Publikum
Angeregte Diskussionen der Gemeindevertreter in gemütlicher Atmosphäre am Ende der Veranstaltung

Tirol will bis zum Jahre 2050 energieautonom werden. Hierzu müssen alle fossilen Ener­gieträger wie Öl, Erdgas und Kohle durch erneuerbare, möglichst heimische Energieträger ersetzt werden und durch energieeffizienzsteigernde Maßnahmen sowie Energie­einspa­rungen der Energiebedarf um rund 50% gegenüber heute reduziert werden. Vom notwendigen Umbau des Energiesystems bis 2050 sind alle Bereiche betroffen: wäh­rend der Energieeinsatz im Mobilitätsbereich um rund 70% sowie im Produktionsbereich um rund 10% verringert werden soll, ist das Ziel im Gebäudebereich, rund 50% weniger Ener­gie zu benötigen.

Im Projekt “Wie heizt Tirol 2050? Pilotgebiet Planungsverband Wörgl und Umgebung” werden nun die acht Gemeinden des Planungsverbandes 29 – Angath, Bad Häring, Kirchbichl, Maria Stein, Angerberg, Breitenbach a. Inn, Kundl und Wörgl – in Zusammenarbeit mit der Wasser Tirol und den Stadtwerken Wörgl untersuchen, wie die zukünftige Wärmeversorgung in der Region frei von fossilen Energieträgern funktionieren kann. Die Gesamtkosten für dieses Projekt betragen netto 120.000,- EUR und werden zu 44 % vom Land Tirol und 56% von den Gemeinden des Planungsverbandes getragen. Der Projektstart erfolgte am 22.05. mit einem Kick-Off-Workshop im Kundler Sozialzentrum „Mitanond“.

Planungsverband 29 übernimmt Vorreiterrolle

Als Vertreter der Gemeinde Kundl eröffnete Vzbgm. Michael Dessl den Workshop und zeigte sich stolz, dass es gelungen ist, alle Gemeinden des Planungsverbands sowie die Stadtwerke Wörgl an einen Tisch zu bringen und zur aktiven Teilnahme zu animieren. „Nur wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen, kann die Energiewende erreicht wer­den. Der Planungsverband kann damit eine Vorreiterrolle für ganz Tirol einnehmen.“

Die Bürgermeisterin der Stadt Wörgl und Obfrau des Planungsverbandes 29 Hedi Wechner stellte das Projekt und die Motivation des Planungsverbandes vor. Sie sieht im Projektansatz vor allem den Vorteil, dass Wär­meversorgungslösungen auch übergemeindlich angedacht und aufgrund von Synergien umgesetzt wer­den können, die auf Gemeindeebene betrachtet unter Umständen keine Chance auf Ver­wirklichung hätten. „Der Planungsverband ist ein guter Boden für eine Pilotregion – sind doch bereits fünf der acht Gemeinden als E5-Gemeinden aktiv und verfolgt die Stadt Wörgl seit 2012 einen konkreten Energieentwicklungsplan.“

Umsetzung der Landesstrategie auf Gemeindeebene

„Das Erreichen der Energieziele ist eine große Herausforderung“ stellt Landesenergiereferent LH-Stv. Josef Geisler klar. „In den vergangenen Jahrzehnten ist der Energiebedarf Tirols exponentiell gestiegen. Seit 2005 allerdings stagniert der Energiebedarf – und das bei steigenden Bevölkerungszahlen und steigender Wirtschaftsleistung. Nun geht es darum, die Wende hin zu einem sinken­den Energiebedarf zu schaffen.“ Aktuell werden noch mehr als 40% der Energie in Gebäu­den eingesetzt. Daher verstärkt das Land Tirol zukünftig auch seine Aktivitäten in diesem Sektor – und hier vor allem in der Wärmeversorgung. „Im Wärmebereich sehen wir noch sehr große Potenziale zur Energieeinsparung. Diese liegen vor allem in der umfassenden Sa­nierung von Gebäuden, aber auch in der optimierten Wärmebereitstellung“, so Geisler, der sich aus der Initiative des Planungsverbandes wichtige Rückschlüsse für das ganze Land erwartet, „denn schließlich muss die Energiestrategie nicht nur auf dem Papier bestehen sondern in allen Gemeinden umgesetzt werden“.

Gemeindeübergreifende Lösungen für die zukünftige Wärmeversorgung

Rupert Ebenbichler, Geschäftsführer der Wasser Tirol, stellt das Projekt inhaltlich vor und erklärt die konkreten nächsten Schritte. „In der ersten Projektphase werden wir das Energiesystem und speziell den Wärmesektor in den Gemeinden detailliert analysieren. Anschließend werden wir in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Energieteams standortspezifische und gemeindeübergreifende technische Lösungen für eine lang­fristige Wärmeversorgung in Übereinstimmung mit den Energiezielen Tirols entwickeln“. Das Projekt ist über eine Laufzeit von 12 Monaten angesetzt.

Für Stephan Oblasser, Energiebeauftragter des Landes Tirol, muss die Energie­wende von unten, aus den Gemeinden heraus erfolgen - sie kann nicht nur von oben herab über Regulatorien erreicht werden. „Der Planungsverband Wörgl und Umge­bung bietet hier aus meiner Sicht ein besonders gutes ‚Testfeld‘, umfasst das Gebiet doch neben städtischen und ländlichen Bereichen auch Industrie-, Wohn- und Mischgebiete so­wohl in Tal- als auch in Hanglagen. Hier ist einfach alles geboten, was wir in anderen Bereichen Tirols auch finden.“

Reinhard Jennewein, Geschäftsführer der Stadtwerke Wörgl liegt als Mitinitiator des Projektes besonders am Herzen, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt. „Anstatt viel Geld für fossiles Öl und Gas ins Ausland zu schicken, sollten wir daran arbeiten die eigenen Ressourcen für die eigene Energieversorgung zu nutzen und die Wertschöpfung im Land zu behalten.“

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