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Trinkwasser und Coronavirus

Abb. 1: Wasserbedarf [l/s] in KW 12 (blau) vs. KW 11 (grau gestrichelt) einer Gemeinde mit starkem Wintertourismus
Abb. 2: Wasserbedarf [l/s] in KW 12 (blau) vs. KW 11 (grau gestrichelt) einer Gemeinde mit größeren Betrieben
Abb. 3: Wasserbedarf [l/s] in KW 12 (blau) vs. KW 11 (grau gestrichelt) einer Gemeinde ohne größere Tourismus- noch sonstige Betriebe
Abb. 4: Schüttung [l/s] einer Beispielquelle aus dem Bezirk Lienz; Tagesmittelwerte Zeitraum 01.02.-22.03., Werte 2020 (blau) vs. 2019 (grau)

Aufgrund der durch die COVID-19-Pandemie hervorgerufenen Krisensituation stellt sich auch für die unzähligen Wasserversorger Österreichs die Frage, welche Herausforderungen diese für sie konkret bedeutet. Dazu werden im Folgenden einige grundlegende Fragen beantwortet und zudem anhand von Beispielen ausgewählter Tiroler Gemeinden dargestellt, welche Auswirkungen auf den Wasserbedarf sich aufgrund der Corona-Krise zeigen.

Frage I: Kann das Coronavirus SARS-CoV-2 über Trinkwasser übertragen werden?

Dazu liegen seit einiger Zeit Stellungnahmen der Weltgesundheitsorganisation WHO und des deutschen Umweltbundesamtes vor. Die gute Nachricht: Eine Übertragung über das Trink- und Nutzwasser wird ausgeschlossen. Zudem haben viele Wasserversorger spezielle personelle Maßnahmen gesetzt, um die Versorgungssicherheit auch in dieser Krisensituation zu gewährleisten.

Frage II: Wie sind die Auswirkungen auf den Wasserbedarf in Tirol?

Lt. einer Aussendung der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) sei den vorliegenden Daten zufolge aktuell der Wasserbedarf in Österreich im Vergleich zum vergangenen Jahr um etwa 5 % höher, was auf die Auswirkungen der Corona-Krise zurückgeführt wird. Da allerdings weder bundes- noch landesweit gesammelt flächendeckende Echtzeit-Daten zum Wasserbedarf vorliegen und speziell Tirol eine sehr kleinteilige, heterogene Versorgungsstruktur aufweist, stellt sich die Frage, wie sich der Wasserbedarf in einzelnen Gemeinden Tirols mit unterschiedlicher Versorgungsstruktur entwickelt - und welche Konsequenzen sich daraus für die Wasserversorger ergeben.

Experten der Wasser Tirol, welche die Tiroler Gemeinden im Wassermanagement mit innovativen Monitoringsystemen und Wasserbilanzen unterstützen, gingen diesen Fragen nach. Anhand der Datenanalysen von Gemeinden, welche über ein hochaufgelöstes Monitoringsystem verfügen, haben sie dabei durchaus differenzierte Ergebnisse erhalten.

Rückgang in touristisch geprägten Gemeinden

In Gemeinden mit einem ausgeprägtem Anteil an Wintertourismus zeigt sich zwischen Kalenderwoche 11 und 12 - also ab Einsetzen der Maßnahmen zur Bekämpfung der Virus-Ausbreitung - eine drastische Abnahme des Wasserbedarfes von bis zu 50 % und mehr. Insbesondere werktags kam es dabei zu deutlichen Abnahmen der Bedarfsspitzen am Morgen. Auffällig ist zudem, dass die Bedarfsspitzen am Morgen und Abend weniger stark ausgeprägt sind und die morgendliche Bedarfsspitze teils um mehrere Stunden später auftritt. Allgemein verteilt sich der Bedarf gleichmäßiger auf den Tag, die Tagesgänge unter der Woche ähneln nun stark denen vom Wochenende.

Beispielhaft zeigen die Daten einer Gemeinde mit etwa 1.300 Einwohnern(Abb. 1) diese deutlichen Abnahmen der Bedarfsspitzen am Morgen um bis zu 4 l/s und eine mittlere Bedarfsreduktion von etwa 2,0 l/s bzw. 35 %.

Rückgang in Gemeinden mit (Groß-)Betrieben

Auch Gemeinden mit größeren, insbesondere produzierenden Unternehmen weisen teilweise starke Rückgänge des Wasserbedarfs auf. Beispielhaft ist hier eine Gemeinde mit knapp 1 000 Einwohnern dargestellt, die werktags in der Regel stark vom Bedarf zweier größerer Betriebe geprägt ist (Abb. 2).

Die Bedarfsspitzen am Morgen sind stark reduziert und weiter in den Tag hinein verschoben, der Bedarf verteilt sich gleichmäßiger über den Tag. Zum Wochenende kommt es aufgrund der gänzlich stillstehenden Produktion zu einer weiteren Reduktion des Wasserbedarfes. Hier treten nun nachts Nullwerte auf, die überdies auf die Qualität (Dichtheit) des Versorgungsnetzes hinweisen. Insgesamt kam es zwischen KW 11 und KW 12 beim durchschnittlichen Bedarf zu einer Reduktion von etwa 30 %.

Anstieg in Gemeinden ohne Tourismus und sonstige Betriebe

Ganz anders stellt sich die Situation in Gemeinden dar, welche weder über ausgeprägten Wintertourismus noch über sonstige größere Industrie- und Gewerbebetriebe mit hohem Wasserbedarf verfügen. In diesen Gemeinden ist durchwegs ein Anstieg des Wasserbedarfs im Vergleich von KW 11 und KW 12 zu verzeichnen.

Das zeigt sich zum Beispiel bei einer Gemeinde mit etwas über 1 400 Einwohnern, die im Einzugsgebiet einer Bezirkshauptstadt gelegen ist und weder größere Tourismus- noch sonstige Betriebe aufweist (Abb. 3), also eine typische "Wohngemeinde". Hier kommt es insbesondere zu niedrigeren Früh- und Abendspitzen, der Bedarf ist höher, aber gleichmäßiger verteilt, die morgendlichen Bedarfsspitzen treten später auf, die abendlichen teils früher. Der Wasserbedarf werktags ähnelt nun stark dem Bedarf vom Wochenende.
Die Erhöhung werktags entsteht wohl deswegen, weil viele Menschen, die sonst zur Arbeit in Richtung Bezirkshauptstadt pendeln, nun zu Hause bleiben müssen. Insgesamt kam es durchschnittlich zu einer Erhöhung des Wasserbedarfes um etwa 10 %.

Frage III: Reicht unser Wasserdargebot aus?

In Tirol wird die Wasserversorgung zu einem großen Teil aus Quellen sichergestellt. Im langjährigen Durchschnitt ist Mitte März bei niedrig gelegeneren Quellen schon ein Schüttungsanstieg aufgrund der Schneeschmelze möglich (siehe Abb. 4). Bei höher gelegenen Quellen oder solchen mit längerer Reaktionsdauer ist das jedoch oft die Zeit der minimalen Schüttung, was speziell ist touristisch geprägten Gemeinden sehr ungünstig mit dem höchsten Wasserbedarf des Jahres zusammenfallen kann.

Heuer ist durch den warmen Februar bei etlichen niedriger gelegenen Quellen bereits ein Schüttungsanstieg zu verzeichnen. Zudem lag der Basisabfluss im Winter bei etlichen Quellen deutlich über dem langjährigen Mittel, was u.a. durch die starken Niederschlagsereignisse im vergangenen November bedingt ist (Abb. 4). Somit bestehen durch den heurigen Winter seitens der Quellschüttung grundsätzlich günstige Voraussetzungen, um den in bestimmten Gemeinden durch die Corona-Krise höheren Wasserbedarf sicher zu decken.

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