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Ist die Zukunft meines Kleinwasserkraftwerks sicher?

Begrüßung durch DI Rupert Ebenbichler und Dr. Dietmar Thomaseth
LH-Stv. Josef Geisler
Dr. Eduard Wallnöfer, AWZ Rechtsanwälte
Mag. Andreas Murrer, Land Tirol
Mag. Georg Ebenbichler, BH Innsbruck
DI (FH) Andreas Waldner, Wasser Tirol

So lautete die Frage, über die am 10.11.2017 mehr als 50 Kleinwasserkraftwerksbetreiber/innen mit hochkarätigen Fachexperten und politischen Vertretern des Landes Tirol in den Räumlichkeiten des Landes diskutierten.

LH-Stv. ÖR Josef Geisler als für Wasser und Energie zuständiger Landesrat unterstrich in seinem Impulsvortrag die besondere Wichtigkeit der Kleinwasserkraft für das Land Tirol – ist sie doch kulturelles Erbe, Wirtschafts- und Lebensgrundlage unzähliger Familien und Betriebe sowie ein bedeutender Faktor zur Sicherung zahlreicher Arbeitsplätze in den ländlichen Regionen. Der Energiereferent unterstrich auch die Rolle der Kleinwasserkraft in der Energiestrategie des Landes und versicherte den Teilnehmern/innen, dass sich das Land Tirol auch weiterhin für den Erhalt der Kleinwasserkraft einsetzen werde und diese nach Möglichkeit unterstützen werde.

DI Rupert Ebenbichler, Geschäftsführer der Wasser Tirol und Projektleiter DI (FH) Andreas Waldner, verdeutlichten im Anschluss nochmals die Bedeutung der Kleinwasserkraft. Rund 850 Kleinwasserkraftwerke werden in Tirol betrieben, welche rund 25% des Wasserkraftstroms erzeugen. Ein wirtschaftlicher Betrieb der Anlagen gestaltet sich in den vergangenen Jahren aufgrund zahlreicher Vorschriften und Regelungen – welche spätestens bei der Wiederverleihung jeden Betreiber treffen - zunehmend schwieriger. In der Kleinwasserkraft besteht ein großes Ausbau- und Optimierungspotenzial, welches unter den gegebenen Umständen nur schwer zu heben ist. Ebenbichler führt aus, dass die Politik u.a. durch die Beratungsförderung‚ Revitalisierung von Kleinwasserkraftanlagen‘ versucht, die Betreiber/innen bestmöglich zu unterstützen und so den Erhalt der Kraftwerke zu sichern.

Ein wesentlicher Punkt, der im Rahmen der behördlichen Bewilligung von Kraftwerksanlagen zu klären ist, ist eine ausreichend detaillierte und mindestens über ein Jahr verlaufende Wassermengenerhebung, wie Sebastian Sprenger, BSc, Projektleiter bei der Wasser Tirol, unterstrich. Neben der Deutung von Abflussganglinien stellte er in seinem Vortrag auch mögliche Messverfahren vor.

Mag. Georg Ebenbichler vom Bereich Umweltschutz der Bezirkshauptmannschaft Innsbruck führte die Sichtweise des Naturschutzes bei der Wiederverleihung von Wasserrechten aus, und gab einen Überblick über die notwendigen beizulegenden Unterlagen. Er unterstrich jedoch, dass diese in Absprache mit der Behörde entsprechend der jeweiligen vorgefundenen Situation auch eingeschränkt werden können.

Mag. Andreas Murrer, Gewässerökologe des Landes Tirol, stellte in seinem Vortrag zu beachtende biologische, hydromorphologische und chemisch/physikalische Qualitätskomponenten im Zuge von Wiederverleihungen vor und ging vertieft auf die Anforderungen seitens der Gewässerökologie an die Fischpassierbarkeit und Restwassermengen ein.

MMag. Dr. Eduard Wallnöfer, AWZ Rechtsanwälte GmbH, erörterte rechtliche Fragen zum Thema Wiederverleihung von Wasserrechten. Wann und warum Wiederverleihungsverfahren zum Tragen kommen, welche Vorteile und Privilegien damit verbunden sind und was passiert, wenn Fristen versäumt werden, waren einige wesentliche Punkte seines Vortrages.

Als ‚Mann der Praxis‘ erläuterte im Anschluss Andreas Bischofer, Geschäftsführer der Elektro Bischofer Gmbh & Co KG, was unter dem Begriff ‚Stand der Technik‘ bei Wasserkraftanlagen aus technischer Sicht zu verstehen ist, welche Auflagen erfüllt sein müssen und welche zusätzlichen Messungen und Prüfungen, die behördlicherseits nicht gefordert werden, aus Sicht eines Elektrotechnikers für einen optimierten Betrieb sinnvoll sind.

Um die Vermarktung des erzeugten Stroms ging es im anschließenden Vortrag von Daniel Jakob M.Sc., Wasser Tirol. Darüber hinaus referierte er über die aktuellen Fördermöglichkeiten im Bereich Kleinwasserkraft, insbesondere die Oemag- und Umweltfördermöglichkeiten, aber auch die Beratungsförderung ‚Revitalisierung von Kleinwasserkraftwerken‘, die gegenwärtig bis 31.12.2018 befristet ist. 

Im letzten Vortrag der Kleinwasserkraftwerkstagung informierte Mag. Gerhard Moser, Land Tirol, über Direktleitungen zur Versorgung von Dritten. Er zeigte anschaulich, dass es als Ausnahme neben der Eigenversorgung und der Stromeinspeisung in EVU-Netze auch noch die Möglichkeit der Direktversorgung gibt und welche ‚Fallstricke‘ bei der Errichtung und beim Betrieb von Stromdirektleitungen zu beachten sind.

In der abschließenden Diskussions- und Fragerunde standen die Vortragenden den Teilnehmern in einer angeregten Diskussion zu individuellen Fragestellungen Rede und Antwort.

Sämtliche Vorträge der Informationsveranstaltung stehen hier zum download bereit.

Antragsformulare zur Beratungsförderung‚ Revitalisierung von Kleinwasserkraftwerken finden Sie hier.

Andreas Bischofer, Elektro Bischofer
Diskussionsrunde mit Mag. Gerhard Moser, Land Tirol

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