Digitale Löschwasserpläne

Problemstellung

Tirols Feuerwehren stellen eine der tragenden Säulen im Sicherheitssystem unseres Landes dar. Damit diese ihre Arbeit in gewohnt professioneller Art erledigen können, bedarf es optimaler Rahmenbedingungen. So bilden u. a. Vorkenntnisse über den Einsatzort eine wichtige Grundlage für eine rasche, sichere und erfolgreiche Brandbekämpfung. Auch für Tirols Gemeinden (verantwortlich für den Löschwassergrundschutz) stellen Kenntnisse über die Löschwassersituation eine fundamentale Planungsgrundlage dar. So ist z. B. die ausreichende Versorgung mit Löschwasser für die Bewilligung neuer Bauvorhaben – sei dies nun ein Einfamilienhaus oder ein ganzes Industriegebiet – unabdingliche Voraussetzung.

Aus diesem Grund wurde in einem ersten Schritt von Feuerwehr und Land Tirol eine Online-Plattform eingerichtet, welche es den Feuerwehren ermöglicht, punkthaft relevante Informationen (Hydrantenstandorte etc.) zu verorten und im Ernstfall auf diese ortsunabhängig zugreifen zu können. Dabei hängen Datenquantität und -qualität vor allem davon ab, wie intensiv die Daten von der jeweiligen Feuerwehr gepflegt werden. Auch ist die Nutzung auf die Feuerwehren limitiert und das vorhandene Datenmaterial deckt nur einen Teil des benötigten Umfangs für die Erstellung eines Löschwasserplans ab.

Neben diesem bereits digital zur Verfügung stehenden Werkzeug besitzen Tirols Gemeinden auch Löschwasserpläne, in welchen der Deckungsbereich der Löschwasserversorgung grafisch dargestellt ist. In der Regel liegen diese Pläne jedoch nur dezentral und in Papierform vor und basieren auf Planungsmethoden, welche die aktuell gültigen Richtlinien nur unzureichend abdecken. So werden z. B. die unterschiedlichen Löschwasserbedarfe der verschiedenen Bebauungsarten vielfach nicht berücksichtigt.

Zielsetzungen

Aus diesem Grund wurde 2018 das Projekt „Digitale Löschwasserpläne“ initiiert. Ziel des Projekts war es, gemeinsam mit Stakeholdern (u. a. Gemeinde, Feuerwehr, Amtssachverständige, Raumplanung) Mindestanforderungen an einen digitalen Löschwasserplan zu definieren und eine entsprechende Methodik zu erarbeiten, mittels welcher ein digitaler Löschwasserplan inkl. aller relevanten Informationen erstellt werden kann:

  • Entwicklung eines Berechnungsalgorithmus unter Berücksichtigung des geltenden Regelwerks aus Brandschutz, Trinkwasserversorgung und Raumplanung
  • Automatisierte Ableitung unterschiedlicher Siedlungstypen für Tirols Gemeinden
  • Anwenderfreundliche Nutzung für Gemeinden und Feuerwehren

Das Grundgerüst stellte dabei eine systematische Analyse der Löschwasserversorgung (Grundschutz) nach Löschwasserdargebot -bedarf und ‑bedarfsdeckung dar.

Ausführung

Obwohl die geltenden Regelwerke genaue Auskunft über Löschwasserbedarf etc. geben, musste relativ rasch festgestellt werden, dass „der Hund im Detail“ begraben liegt. Als Beispiel dafür sei die Streusiedlung genannt, für welche laut ÖVGW Regelblatt ein Löschwasserbedarf von 800 l/min bereitgestellt werden muss. Wenngleich der Begriff der Streusiedlung hinlänglich bekannt ist, wird diese in der Tiroler Raumordnung nicht definiert. Somit musste für den digitalen Löschwasserplan eine eigene Definition der Streusiedlung abgeleitet werden. Aufgrund einer Vielzahl solcher Detailfragen dauerte es dann auch rund zwei Jahre, bis die entwickelte Methodik in zwei Tiroler Gemeinden umgesetzt werden konnte.

Die Entwicklungszeit wurde von den beiden Gemeinden auch genutzt, um ihre Löschwasserversorgung zu verbessern. So wurden z. B. die Hydranten-Nummerierungen vereinheitlicht/aktualisiert sowie Hydrantentests durchgeführt, welche nun auch über den digitalen Löschwasserplan abrufbar sind.

Nach Fertigstellung der digitalen Löschwasserpläne wurden diese in die gemeindeeigene Geoinformationssoftware übertragen, wo sie nun permanent abgerufen, erweitert und mit anderen räumlichen Informationen der Gemeinde verschnitten werden können.

Weitere Informationen & Kontakt

Christine Schär, MSc.
Wasser, Ressourcen
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christine.schaer@wassertirol.at